Interview mit Daniel Bürdel

 Interview mit Daniel Bürdel

 

 

 

 

 

 

 

Daniel Bürdel, warum ein Schwimmbad? Und warum im Sensebezirk?
Im Sensebezirk gibt es ein reales Bedürfnis nach einem zusätzlichen regionalen Schwimmbad. Der neu eingeführte Lehrplan 21 definiert zu erreichende Grundkompetenzen im Schwimmen und somit eine Mindestanzahl Schwimmlektionen pro Schüler in der obligatorischen Schulzeit. Zudem fehlen in unserer Region attraktive Wassersportmöglichkeiten und ein Schlechtwetterangebot für Touristen und Naherholungssuchende. Ein Schwimmbad gehört daher inskünftig aus meiner Sicht zur Grundinfrastruktur einer Region.

Welches sind in diesem Zusammenhang die wesentlichen Aussagen der ersten Studie aus dem Jahr 2017?
Die erste damalige Studie hält fest, dass das Bedürfnis nach weiteren Schwimmmöglichkeiten im Sensebezirk klar vorhanden ist und auch die Machbarkeit für ein Schwimmbad gegeben ist. Es wird zudem vorgeschlagen, dass zusätzlich zu den für die kantonale Subventionierung vorgeschriebenen Grundangeboten, Zusatzinvestitionen in ein attraktives Freizeitbad getätigt werden sollen. Die dadurch generierten Mehreinnahmen helfen mit, die Wirtschaftlichkeit zu optimieren.

Wie wird der Bau und der Betrieb eines regionalen Schwimmbads langfristig finanziert? Welche Varianten gibt es für die Finanzierung?     
Für die Finanzierung eines Schwimmbads fallen zum einen Investitionskosten an und zum anderen muss der Betrieb gewährleistet werden. Dieser kann beispielsweise durch eine öffentlich-private Partnerschaft realisiert werden. Je nach Projektidee und Standort ergeben sich unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten. Es liegt auf der Hand, dass die Realisierung nur mit der Unterstützung durch die öffentliche Hand sichergestellt werden kann. Die Subventionen vom Kanton sind dabei eine wichtige Hilfestellung.

Welche Kriterien sind bei der Standortwahl innerhalb des Bezirks schlussendlich entscheidend?
Neben den Kosten und den pro Standort unterschiedlich hohen Betriebsdefizitensind die Abdeckung des Schulschwimmens, die Nähe zu Konkurrenzprojekten,
die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen und privaten Verkehr, die Infrastrukturerschliessung, künftige Erweiterungsmöglichkeiten und potentielle Partnerschaften mit privaten Partnern entscheidende Kriterien. Weiter muss die jeweilige Standortgemeinde bereit sein, einen wesentlichen Beitrag bei der Realisierung des Schwimmbadbaus und –betriebs beizutragen.

Warum sollte Deiner Ansicht nach das Schwimmbad gerade in Plaffeien gebaut werden und wie willst Du die anderen Gemeinden überzeugen?
Die Gemeinde Plaffeien hat in den letzten Jahren wichtige Vorarbeiten getätigt, um den Bau eines Schwimmbads zu ermöglichen.
Einerseits wurde ein genügend grosses Grundstück mit Erweiterungsmöglichkeiten gekauft und es wurden die nötigen Erschliessungsabeiten in den Bereichen
Wasserversorgung, Energie und öffentlicher Verkehr realisiert. Plaffeien liegt als Zentrum des Sense-Oberlands in einem Umkreis ohne wesentliche Konkurrenzangebote. Das Schulschwimmen im Sensebezirk wird nicht mit einem einzigen Schwimmbad im Bezirk abgedeckt werden können. Ein Teil unserer Schüler wird den Unterricht nicht nur im geplanten Sensler Schwimmbad besuchen müssen, sondern ebenfalls in Düdingen und in den nahegelegenen Schwimmbädern in der Agglomeration Freiburg. Für die Unterlandsgemeinden bietet sich durch den Bahnanschluss eine rasche Verbindung nach Freiburg an, wo u.a. ein grosses Schwimmbad auf dem alten Schlachthofareal beim Bahnhof Poya geplant ist. Plaffeien ist als OS-Standort mit drei Buslinien gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Ebenfalls befindet sich der einzige kantonale touristische Entwicklungsschwerpunkt des Sensebezirks in Plaffeien/Schwarzsee. Das sich im Aufbau befindende kantonale Sportzentrum Campus Schwarzsee bietet zudem weitere Entwicklungs- und Synergiemöglichkeiten. Das für den Standort Plaffeien ausgearbeitete Projekt sieht zusätzlich auch ein attraktives Freizeitbad vor. Die Realisierung des Schwimmbadprojekts ist zudem ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Sense-Oberland, welches gerade in der Raumplanung künftig viele Einschränkungen in Kauf nehmen muss.

Bis wann haben wir Klarheit, ob es schlussendlich zum Bau eines Schwimmbads kommt oder nicht?
Die Entscheidungsgrundlagen liegen vor. Es ist wichtig, dass die verantwortlichen Gremien der Region Sense nun möglichst rasch Klarheit schaffen und den Standortentscheid in den kommenden Wochen treffen. Das Ziel lautet, diesen wichtigen Grundsatzentscheid noch vor Ende der laufenden Legislatur (Ende April) zu treffen. Anschliessend kann die Bezirksabstimmung über die vorgeschlagene Finanzierung geplant und durchgeführt werden.

 

Geschichte und Projektbeschrieb des Schwimmbads

Die Idee für ein Schwimmbadprojekt im Sensebezirk wurde im Jahr 2015 ursprünglichvon einer Arbeitsgruppe aus dem Sense-Oberland initiiert. Gemeinsam mit der Region Sense wurde eine erste Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Im Rahmen eines NRP-Projekts wurden dabei drei verschiedene Standorte evaluiert, nämlich Giffers, Plaffeien und Schwarzsee. Als Ausbauvarianten wurde zum einen ein Sportschwimmbad mit dem minimalen durch den Kanton vorgeschriebenen Ausbaustandard vorgeschlagen und zum anderen ein Freizeit- und Wellnessbad mit einem erweiterten Angebot. Die Kosten für Ersteres werden mit ca. 20 Millionen und für Letzteres mit ca. 26 Millionen Franken beziffert. Der Grosse Rat hat beschlossen, den Bau von regionalen Schwimmbädern bis 2025 mit 6 Millionen Franken pro Projekt zu unterstützen. Nach Vorliegen der ersten Studienergebnisse kam es in der Folge innerhalb der Region Sense zu Standortdiskussionen, wobei nun zwei Gemeinden, namentlich Plaffeien und Tafers, in der Endauswahl sind. Diese Gemeinden haben jeweils ein auf ihren Standort angepasstes Schwimmbadprojekt ausgearbeitet. In der Zwischenzeit wurde 2020 im Glanebezirk in Romont mit dem Epicentre ein erstes neues regionales Schwimmbadzentrum eingeweiht und in der Agglomeration Freiburg sind mehrere Bäderprojekte in Planung.